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Photovoltaik & Elektromobilität

Wann lädt das Auto Solarstrom?

· Blue Energy Gebäudetechnik · Lesezeit ca. 6 Minuten

Die Photovoltaikanlage läuft, die Wallbox hängt an der Wand, das Auto steht davor. Und der Zähler zeigt trotzdem Bezug aus dem Netz. Das ist kein Defekt und kein Montagefehler, sondern der Normalfall: Eine Wallbox lädt erst einmal einfach. Sie fragt nicht nach, woher der Strom kommt. Damit das Auto den eigenen Sonnenstrom nimmt, muss zwischen Dach und Ladepunkt etwas dazukommen. Wir erklären, was das ist, wo es in der Praxis klemmt und welche Frage Sie sich vorher ehrlich beantworten sollten.

Worum es hier geht

Dieser Beitrag erklärt das Prinzip, nicht Ihre Anlage. Ob und wie viel Sonnenstrom bei Ihnen im Auto landet, hängt an Dach, Verbrauch, Fahrzeug und vor allem am Fahrverhalten. Wir nennen deshalb bewusst keine Leistungs- oder Prozentwerte.

Die Wallbox weiß nichts von der Sonne

Für eine Wallbox ohne weitere Anbindung gibt es nur zwei Zustände: Es ist ein Auto angesteckt, oder es ist keines angesteckt. Steckt eines, gibt sie die Leistung frei, die fest eingestellt ist. Ob die Sonne scheint, ob gerade der Backofen läuft oder ob der Speicher voll ist, sieht sie nicht.

Strom selbst trägt kein Etikett. Im Haus mischt sich, was vom Dach kommt, mit dem, was aus dem Netz kommt. Ruft die Wallbox mehr ab, als die Anlage in diesem Moment liefert, kommt die Differenz aus dem Netz. Das passiert lautlos und ohne Fehlermeldung, deshalb fällt es oft erst bei der Jahresabrechnung auf.

Was „Überschussladen“ bedeutet

Überschuss ist der Teil des Solarstroms, den im Haus gerade niemand braucht und der sonst ins Netz gehen würde. Überschussladen heißt: Die Ladeleistung folgt genau diesem Rest. Steigt er, lädt das Auto schneller. Fällt er, weil eine Wolke kommt oder die Waschmaschine anspringt, geht die Ladeleistung mit nach unten.

Damit das funktioniert, müssen drei Dinge zusammenkommen:

Fehlt einer der drei Punkte, gibt es kein Überschussladen. Das ist der häufigste Grund, warum es an einer nachträglich montierten Wallbox nicht klappt: Sie kann laden, aber sie kann nicht zuhören.

Wer darf zuerst?

Sobald mehr als ein Gerät am Überschuss interessiert ist, wird aus der Technikfrage eine Haushaltsfrage. Der Stromspeicher will sich füllen. Die Wärmepumpe will den Puffer hochheizen. Das Auto will voll werden. Alle drei greifen nach demselben Rest, und zwar zur gleichen Tageszeit.

Darauf gibt es keine allgemein richtige Antwort, sondern nur eine, die zu Ihnen passt. Wer täglich pendelt, will das Auto morgens voll haben, auch wenn der Strom dafür nachts aus dem Netz kommt. Wer das Auto zwei Mal die Woche bewegt, kann es geduldig an der Sonne hängen lassen. Und wer im Winter mit Strom heizt, setzt die Priorität vielleicht ganz anders als im Juli.

Diese Reihenfolge festzulegen ist die eigentliche Arbeit. Das Anklemmen ist der kleinere Teil.

Warum hier keine Prozentzahlen stehen

Die naheliegende Frage lautet: Wie viel meiner Ladung kommt dann vom eigenen Dach? Jede Zahl, die an dieser Stelle stünde, wäre geraten.

Sie hängt an der Größe der Anlage, an Dachausrichtung und Verschattung, am übrigen Verbrauch im Haus, an der Jahreszeit und vor allem daran, wann das Auto überhaupt zu Hause steht. An einem klaren Sommertag kann über Stunden genug übrig bleiben. Im Winter kommt es vor, dass der Überschuss den ganzen Tag nicht einmal die untere Grenze erreicht, ab der eine Wallbox überhaupt anfangen darf zu laden. Das ist dieselbe Anlage, dasselbe Auto, dasselbe Haus.

Wer Ihnen ohne Kenntnis Ihres Dachs und Ihres Fahrprofils eine Quote nennt, nennt einen Werbewert. Seriös wird die Zahl erst, wenn jemand Ihren tatsächlichen Verbrauch und Ihre Wege kennt.

Wo die Steuerung ins Spiel kommt

Für viele Anlagen reicht das Energiemanagement, das der Hersteller des Wechselrichters oder der Wallbox mitbringt. Wenn PV-Anlage und Ladepunkt aus derselben Familie stammen, ist das oft der kürzeste Weg, und dann schlagen wir auch nichts anderes vor.

Interessant wird eine übergreifende Steuerung, etwa mit Loxone, wenn mehrere Gewerke mitreden sollen. Sie sieht nicht nur die Wallbox, sondern auch Heizung, Speicher und die übrigen Verbraucher, und sie kennt Randbedingungen, die kein Wechselrichter kennen kann: dass donnerstags früh losgefahren wird, dass das Warmwasser bis abends warm sein soll, dass im Ferienhaus niemand da ist.

Der ehrliche Satz dazu: Ein Smart Home ist keine Voraussetzung fürs Überschussladen. Es ist die Antwort auf die Frage, was passieren soll, wenn mehrere Geräte gleichzeitig recht haben.

Was Sie vorher klären sollten

Häufige Fragen

Brauche ich dafür unbedingt einen Speicher?

Nein. Speicher und Überschussladen lösen dieselbe Aufgabe auf zwei Wegen: Sie halten Solarstrom im Haus, statt ihn einzuspeisen. Ohne Speicher ist das Auto sozusagen der Speicher, allerdings nur dann, wenn es angesteckt dasteht. Steht es tagsüber woanders, fällt dieser Weg weg. Beides schließt sich nicht aus, und welche Reihenfolge sinnvoll ist, hängt an Ihrem Tagesablauf.

Meine Wallbox hängt schon. Kann ich das nachrüsten?

Oft ja, es hängt aber am Gerät. Entscheidend ist, ob die Wallbox eine Schnittstelle hat, über die sich die Ladeleistung von außen verändern lässt, und ob eine Messung am Hausanschluss vorhanden oder nachrüstbar ist. Das lässt sich meist an Typenschild und Unterlagen klären, bevor jemand anrückt.

Lädt das Auto dann nur noch bei Sonne?

Nur wenn Sie das so wollen. Üblich sind mehrere Betriebsarten: reines Überschussladen, ein Mischbetrieb, der bei Bedarf Netzstrom dazunimmt, und volles Laden auf Knopfdruck. Die meisten Haushalte fahren im Alltag mit Überschuss und schalten vor einer längeren Fahrt um.

Funktioniert das mit jedem Fahrzeug?

Geregelt wird auf der Seite der Wallbox, das Fahrzeug folgt. In der Praxis gibt es allerdings Modelle, die bei sehr kleinen Ladeleistungen abbrechen oder nach einer Pause nicht von selbst wieder anlaufen. Das steht selten im Datenblatt und zeigt sich erst im Betrieb. Sagen Sie uns deshalb vorher, welches Auto daran soll.

Rechnet sich das?

Der Hebel ist derselbe wie bei der Anlage selbst: Eine Kilowattstunde, die Sie im Haus verbrauchen, ist in aller Regel mehr wert als eine eingespeiste. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt an Ihrem Stromtarif, an der Vergütung Ihrer Anlage und daran, wie viel Sie tatsächlich fahren. Wir rechnen das mit Ihren Zahlen durch statt mit Durchschnittswerten, bevor irgendetwas bestellt wird.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Planung im Einzelfall. Auslegung, Anschluss und Anmeldung gehören in die Hand einer Elektrofachkraft.

Wallbox und PV aus einer Hand

Wir planen Ladepunkt, Anlage und Steuerung so, dass sie miteinander reden – und sagen vorher, was in Ihrem Fall zusammenpasst und was nicht. Von Schrozberg aus sind wir in der ganzen Region unterwegs, von Crailsheim bis Bad Mergentheim.

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